Bitte Lesen!

Als Mutter steht man ja oft vor Rätseln. Eine Mischung aus Verständnislosigkeit und Seltbstzweifel sind an der Tagesordnung: Ich habe doch allesalles richtig gemacht – warum nur führen meine Bemühungen so gar kein bisschen zum gewünschten (Erziehungs-)erfolg?

Ich nenne mal eine Beispiel-Baustelle meinerseits, die das Potenzial hat, mich in den Wahnsinn zu treiben: Bücherfresserin, die ich selber bin, habe ich es bei meinen Kindern nur auf eine Quote von 33 Prozent gebracht, die man als ‘echte Leser’ bezeichnen könnte. Weitere 33 Prozent greifen zumindest im Urlaub zum Buch. Das restliche Drittel ist zwar technisch in jeder Hinsicht des Lesens mächtig (das war es auch schon im Alter von viereinhalb Jahren!), tut es aber nicht. Nicht ohne Not bzw. ausdrücklichen Auftrag eines Deutschlehrers jedenfalls. Ich finde das furchtbar. Bücher sind die absolut großartigste Sache unter der Sonne. Gute Geschichten machen glücklich. Und schlau. Und überhaupt… es macht mich fertig, wenn ich tagtäglich mit der Fülle der herrlichsten Neuerscheinungen konfrontiert werde. Und das Kind will nicht lesen. „Ich les doch. Hunderte von What’s App-Nachrichten. Jeden Tag.“

Käpt’n Book rettet die Welt

Neulich durfte ich bei einem Treffen im Bonner Kulturamt dabei sein, bei dem es um die Planung des nächsten Käptn Book Lesefestivals ging. MOSKITO wird ja aller Voraussicht nach auch wieder involviert sein und die schönsten Schmökertipps hier auf dem Portal weitergeben dürfen. An mindestens 33 Prozent meiner Kinder geht dieses wunderbare Geschenk allerdings vollkommen vorbei. Eine Schande.

Dabei habe ich vorgelesen, was es vorzulesen gab, als die 33 Prozent klein waren. Ich war und bin ein gutes Vorbild. Ich stelle Lesestoff, Zeit, Raum, Budgets zur Verfügung. 33 Prozent lässt das kalt.

Jetzt habe ich ein Buch gelesen, in dem steht, was man tun muss, um Kinder zum Lesen zu bewegen. Zitat: “Jedes Kind sollte in seiner Grundschulzeit mindestens einmal in den Genuss gekommen sein, einen Kinderbuchautor zu erleben.“ Die Einschätzung, dass so ein Erlebnis Wunder wirken kann, teile ich entschieden. Ich selber hatte das Glück, als Fünftklässlerin bei einer Lesung von Michael Ende dabei sein zu dürfen. Er hat damals seine neu erschienene Unendliche Geschichte vorgestellt. Obwohl ich Fantasygeschichten nie gemocht habe und irgendwie immer noch nicht mag, ist Michael Ende und dieses Buch das allergrößte für mich. Woraus ich schlussfolgere: Ich muss den Deutschlehrer der 33 Prozent dazu bewegen, im Herbst mit der Klasse in eine Käptn Book Lesung zu gehen. Erstens.

Lesen ist Cool!

In dem bereits erwähnten Buch – es heißt übrigens ‘Lesen ist Cool’ – steht zweitens auch, dass es vor allem für Jungs eminent wichtig ist, einen vorlesenden Papa zu haben. Der Autor Arne Ulbricht fordert ausdrücklich dazu auf, Vätern, die nicht vorlesen (weil sie abends müde sind oder keinen Bock haben) einen kräftigen Tritt in den Hintern zu verpassen. Zitat: “Die nicht vorlesenden Väter tragen eine Mitschuld daran, wenn aus Jungs Lesemuffel werden, die nervös werden, sobald sie in der Schule eine schmale Novelle oder einen längeren Kommentar lesen sollen.“ Woraus ich schlussfolgere (obwohl oder auch weil der Vater der 33 Prozent durchaus manchmal vorgelesen hat): Ich muss sofort allen, die jetzt kleine Kinder haben, diesen wirklich wichtigen Hinweis unbedingt weiterleiten.

Also bitte notieren: Klassen- bzw. Deutschlehrer rechtzeitig auf Käpt’n Book aufmerksam machen. Papa in Hintern treten. Sodann papatauglichen Vorlesestoff besorgen. Bei Interesse auch das erwähnte Buch (siehe Kasten) anschaffen und weitere Tipps abgreifen. Viel Erfolg.

Bis nächsten Freitag, Ihre Doro

Cover Lesen ist coolkleiner

Arne Ulbricht
Lesen ist cool!
Vom Vorlesen zum Selbstlesen Mit Interviews von bekannten Kinderbuchautoren und Kinderbuchhändlern!
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht ISBN 978-3-525-70178-2
15,00 Euro

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